Die obere Altstadt

 

Minden hat etwa 83.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Im Stadtviertel "Obere Altstadt" leben etwa 2.300 Menschen. Da wohnt der Professor neben der kinderreichen Familie mit Zuwanderungsgeschichte. Man kann diesen Stadtteil nicht einfach als sozialen Brennpunkt bezeichnen - und doch beträgt der Ausländeranteil bei den Minderjährigen ca. 20 % und beziehen rund 40 % der Minderjährigen Leistungen nach dem SGB II.

 

Es gibt andererseits in Deutschland kaum ein Stadtviertel gleicher Größenordnung, in dem es derart viele bürgerschaftliche Initiativen und Organisationen gibt. In den 20 Sträßchen der Oberen Altstadt finden sich über 50 schulische und außerschulische Einrichtungen wie die Eine-Welt-Schule und das Interkulturelle Begegnungszentrum "Juxbude", Organisationen wie die Aktionsgemeinschaft Friedenswoche Minden e.V. (Friwo), Weltladen, Attac, Arbeitslosenzentrum, Wohlfahrtsverbände wie die Caritas, Kirchengemeinden, psychosoziale Beratungsstellen, Stadtbibliothek, Gesamtschule, das Bildungswerk für Friedensarbeit (BF) und das Studienzentrum der FernUniversität in Hagen.

 

Gründe für die auffällige Konzentration sozialkultureller Einrichtungen sind in der langjährigen Bürgerinitiativenbewegung Mindens zu finden sowie in der schlechten Bausubstanz der Oberen Altstadt, die in den siebziger Jahren dazu führte, dass dort viele Ausländer wegen der billigen Mieten Wohnungen bezogen, sich aber auch Organisationen wie die Friwo und das Interkulturelle Begegnungszentrum "Juxbude" etablierten. Junge Familien renovierten baufällige Gebäude und sorgten dafür, dass hier kein reines Kneipenviertel entstehen konnte. Die Friwo organisierte 1972 unter dem Motto "Friede ist mehr als kein Krieg" die erste lokale Friendenswoche in Deutschland.